Wenn aus Männern Helden werden

1. Mannschaft 4:3 SG Ehrang/Pfalzel

(ct) Wahnsinn. Nicht mehr und nicht weniger war das, was am Sonntag auf dem Sportplatz in Schillingen passierte. In einem der unfassbarsten Spiele, die man in der Kreisliga erleben kann blieb unser TuS am Ende verdient mit 4:3 Sieger. Damit bauen wir unseren Vorsprung auf vier Punkte aus – bei drei verbleibenden Spielen.

Viel wurde vor dem Spiel geredet und geschrieben. Nicht zuletzt das Hinspiel mit all seinen (teilweise unschönen) Facetten tat sein Übriges dazu, dass selten ein Spiel mit mehr Spannung erwartet wurde als der Showdown des Tabellenführers gegen den ärgsten Verfolger aus Ehrang. Zu Gast in Schillingen war das Team, das die Tabellenführung nach eigener Aussage „fußballerisch auch am meisten verdient“ hätte. Ob dem so ist? Will ich nicht beurteilen. Eines ist jedoch am Sonntag wieder deutlich geworden: Manchmal gibt es Dinge, die im Fußball wichtiger sind, als schön zu spielen. Es mag sein, dass Ehrang spielerisch die stärkste Mannschaft der Liga ist - aber in solchen Spielen braucht es mehr als das. In solchen Spielen gewinnt die Mannschaft, die bereit ist alles zu geben. Es werden die Spieler den Platz als Sieger verlassen, die bereit sind auf dem Feld für den jeweils anderen zu sterben und sich zu zerreißen. Vor genau drei Wochen habe ich geschrieben, dass das Team aufsteigen wird, dass die Bezirksliga am meisten will. Nach dem Sieg gestern dürfte darüber keine Debatte mehr entstehen.

Eins nach dem anderen: Bekanntlich weilte unser Hummel beruflich in Mexiko und konnte noch nicht einmal zusehen. Für ihn hütete Usen das Tor, vor ihm formierten sich Thome, Hanschmann, Börni und Liter zu einer Viererkette, die sich in der Form über die Saison bewährt hatte. Das zentrale Mittelfeld beackerten Totti, Chuck und das Geburtstagskind Mätty. Auf den Außenbahnen sollten wieder einmal Meier und G unseren Torjäger Tobsi in Szene setzen. Komplettiert wurde das Team von Mofa, Pip und Timo auf der Bank sowie einen – in dieser Partie unfassbar starken – zwölften Mann auf dem Hügel.

Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben zeichnete sich schnell eine extrem emotionale Partie ab. Den öffentlichen Kampfansagen der SG Ehrang („Im Hinspiel gab es ein kleines Ereignis seitens der Schillinger. Ein Spieler der Tussis feuerte den Ball in die Zuschauermenge der Ehranger. Das können wir so natürlich nicht auf uns sitzen lassen“) folgten einige „Unterstützer“ nach Schillingen. Dem TuS war jedoch von Anfang an klar, dass das Hinspiel und alle seine Geschichten zweitrangig war – was zählte war auf dem Platz.

Nun aber zum Spiel: Wir kamen gut in die Partie und hatten durch G (4.) und Tobsi (8.) erste Chancen. Das Spiel war ausgeglichen, vom Start weg wurde deutlich, dass hier zwei ebenbürtige Mannschaften aufeinander trafen und es hier mehr brauchen würde als spielerische Klasse. Nach 17 Minuten ging es dann heiß her: Zunächst hielt Usen durch zwei Paraden, die man so (sorry Hummel) in dieser Saison selten gesehen hat das 0:0 fest. In Spider-Man-Manier flog er gleich zweimal durch den Strafraum und wehrte ab. Der Freude folgte jedoch Ernüchterung, denn nach einem Schuss der Gäste klärte Börni mit der Hand. Elfmeter und Rot waren die Folge – bitter aber von Seiten des Schiedsrichters konsequent. Den fälligen Elfmeter verwandelte der an diesem Tag wieder einmal bärenstarke Jonas Amberg zum 0:1. Fuck. Schlechter hätte die Partie nicht beginnen können.

Ehrang drückte in der Folge auf das 0:2 und man fragte sich, was uns in dieser Situation helfen könnte. Was dann folgte, war schier unglaublich. Angetrieben von Börni, Haiko und dem Rest des Hügels zerriss sich die Mannschaft auf dem Platz und zeigte, was es bedeutet ein Team zu sein. Nach 28 Minuten zeigte der Schiedsrichter dann wieder auf den Punkt. Wieder Elfmeter, wieder berechtigt und wieder drin – Tobsi machte das 1:1. Plötzlich waren wir wieder da. Das Blatt wendete sich, auf einmal hatten die Gäste etwas zu verlieren.  Man war in Überzahl und nun wieder Tabellenzweiter in der Blitztabelle. Es lässt sich leicht sagen, dass wir mit einem Punkt besser hätten leben können als die SG Ehrang.

Zur Pause stand es demnach 1:1. Ich kann nicht sagen, was in der Kabine passiert ist, doch es muss krass gewesen sein. In der ersten Halbzeit schon als Team aufgetreten kam die Mannschaft als Einheit aus der Kabine und schien endlich jedem beweisen zu wollen, dass man den Aufstieg mehr als verdient hat. Angetrieben von einem Stürmer, der „in den wichtigen Spielen immer untertaucht“, spielte man sich unmittelbar nach der Pause erste Chancen heraus, konnten diese jedoch nicht nutzen. Zwar wusste die SG Ehrang nach eigenen Angaben „um die Gefährlichkeit von Tobias Anell“, konnte ihn jedoch nicht verteidigen. Nach einem unfassbaren langen Ball von Totti zeigte Tobsi wieder einmal in unnachahmlicher Manier, dass er einfach zu schnell für diese Welt ist. Im Eins-gegen-Eins ließ er dem gegnerischen Abwehrspieler keine Chance und schloss eiskalt zur Führung ab. Der Hügel tobte und befand sich teilweise sogar auf dem Platz um mit den Spielern zu feiern.

Ehrang war bemüht, zurück ins Spiel zu finden und konnte sich durchaus immer wieder Chancen herausarbeiten. Uns kam die Situation nun natürlich entgegen, denn wir konnten uns auf schnelle Konter konzentrieren. Einen solchen schloss abermals Tobsi in der 81. Minute eiskalt ab. 3:1 in Unterzahl – sollten wir hier wirklich gewinnen? In Unterzahl? Gegen die Mannschaft, die den Aufstieg spielerisch am meisten verdient hat? Nicht so schnell! Nur zwei Minuten später stoppte der Anschlusstreffer die Euphorie (83.).

An diesem Tag war jedoch klar, dass es nur einen Sieger geben kann. Tobsi stellte in der 88. Minute auf 4:2 und markierte damit seinen vierten Treffer in diesem Spiel und den 40. in dieser Saison. Lasst und alle zusammen für einen kurzen Moment vom Spielgeschehen abschweifen und eine neue Regel festlegen: Jeder, der seinen Nebenmann irgendwann wieder dabei ertappt wie er behauptet, dass Tobsi in den wichtigen Spielen untertauchen und seine Leistung nicht bringen würde, meldet dies Bitte umgehend bei Daniel Steines. Der Tobsi-Zweifler wird dann unmittelbar in die Steines’sche Kistenliste übernommen und darf sich aus dieser mit einem Kasten Bier herauskaufen. Deal?

Zurück zur Partie: Zwar kam Ehrang wieder einmal durch Jonas Amberg zurück in die Partie, doch geschlossenste Mannschaftsleistung in der jüngeren Geschichte des TuS sorgte dafür, dass die drei Punkte im Spitzenspiel in Schillingen blieben. Für den in Mexiko weilenden Hummel, für den neben dem Spielfeld leidenden Börni, für den Langzeitverletzten aber mit im wahrsten Sinne vollstem Herzen mitfiebernden Haiko. Für Mätty, der sich keinen besseren Geburtstag hätte vorstellen können; für Gerd, ohne den diese Mannschaft nicht in dieser Form vorhanden wäre und für jeden Einzelnen der Fans, die den TuS an diesem Tag nach vorne gepeitscht haben. Ein Team zu sein bedeutet mehr als Doppelpässe, mehr als Flanken und Traumtore aus 30 Metern. Ein Team zu sein bedeutet sich für den anderen aufzuopfern und das eigene Wohl über das der Mannschaft zu stellen. Ein Team zu sein heißt Fokussierung auf das einzig Wichtige: das, was auf dem Platz passiert. Genau das hat der TuS an diesem Tag gezeigt.

Es seien mir einige kurze Worte von meiner Seite gegönnt: Egal wie diese Saison endet, nach diesem Spiel seid ihr nicht weniger als Helden. Jeder Einzelne. Egal ob am Ende der Aufstieg zu Buche steht oder man wieder ins Tal der Tränen zurückfällt – ihr habt bewiesen, dass ihr die geilste Mannschaft (naja geteilter erster Platz mit der Zwoten) der Welt seid. Punkt, Aus, Ende. Ein ganzes Dorf ist stolz auf das, was ihr leistet und wie ihr die Farben des Vereines in Ehre tragt. Zusammenhalt, über Generationen hinaus – das ist das, was den TuS auszeichnet. Ihr seid eine Generation, an die man sich erinnern wird. So wie man heute von den legendären Zeiten in der Landesliga und über die Wolwos, Andys und Tigges spricht, so wird man in zwanzig Jahren beispielsweise von den Tobsis, Werners und Chucks sprechen. Und von diesem Spiel, von dem ich persönlich – ohne Übertreibung – noch meinen Enkeln erzählen werde. Ihr seid als Männer in dieses Spiel hineingegangen und als Legenden herausgekommen. Danke dafür. Wir stellen drei Spieltage vor Schluss den besten Angriff und die beste Abwehr der Liga und sind darüber hinaus auch das fairste Team der A-Klasse. Wer den Aufstieg am meisten verdient hat, erklärt sich dadurch von selber. 

Natürlich muss man auch zu den Gästen noch einige Töne sagen: Respekt an die Spieler auf dem Platz. Wie man von Seiten der aktiven Spieler hört, seid ihr eine grundsätzlich faire und anständige Mannschaft. Egal was im Hinspiel war, was vor dem Spiel geschrieben oder gesagt wurde – dieses Spiel hat Spaß gemacht. Jedes Spiel zwischen Schillingen und Ehrang ist ein Leckerbissen. Für mich sind es die zwei geilsten Spiele des Jahres zwischen den zwei besten Mannschaften der Liga. Was neben dem Platz passiert, ist dann jedoch einfach nicht nötig. Die Aktion im Hinspiel wurde ausführlichst besprochen. Dass man wegen eines Einwurfes (!) mit mehreren zumindest körperlich erwachsenen Personen auf einen Jungen losgeht und ihn aufs Übelste beleidigt, hat im Fußball nichts verloren. Inwiefern diese Aktionen die ansonsten faire Mannschaft unterstützt haben, dürft ihr anhand des Ergebnisses selbst entscheiden. Dennoch wünschen wir euch weiterhin viel Glück in der laufenden Saison und eurem Trainer einen guten Start in neue Aufgaben.

Um bis hierher 1512 Wörter in drei zusammenzufassen lässt sich sagen:

Weider, immer weider!

Aufstellung:
Usen – Thome (46. Mofa), Börni, Hanschmann, Liter – Chuck, Totti, Mätty, G (90. Timo), Jonas (84. Pip) – Tobsi

Tore:
0:1 Jonas Amberg (18., FE)
1:1 Tobsi (28., FE)
2:1 Tobsi (62.)
3:1 Tobsi (81.)
3:2 Kristof Görlitz (83.)
4:2 Tobsi (88.)
5:2 Jonas Amberg (90.)

Besonderes Vorkommnis:
Rote Karte für Börni (17. Minute)